2.3. Umgang mit Emotionen – das NURSE-Modell

Hinter diesem Akronym verbergen sich fünf Techniken, die im Umgang mit emotionalen Äußerungen eines Patienten hilfreich sind:

N aming:                Emotionen benennen

U nderstanding:   Wenn möglich Verständnis für die Emotionen ausdrücken

R especting:          Respekt oder Anerkennung für den Patienten artikulieren

S upporting:          Dem Patienten Unterstützung anbieten

E xploring:            Weitere Aspekte zur Emotion herausfinden

Das Benennen der Emotion (Naming) entspricht dem Spiegeln: Die wahrgenommene Stimmung eines Patienten wird benannt. Dieser Schritt ist nur dann sinnvoll, wenn der Patient nicht selbst schon gesagt hat, wie ihm zumute ist. Wenn er zum Beispiel mit dem Satz: «Ich hab unglaublich Angst, dass etwas Schlimmes dabei rauskommt», bereits sein Gefühl benennt, ist ein erneutes Benennen durch den Arzt überflüssig.

Wenn die Emotion benannt ist, muss der Arzt entscheiden, ob er sie tatsächlich auch verstehen kann. Wenn ja, ist Understanding eine ausgesprochen wohltuende Intervention, in der sich die Wertschätzung für einen Patienten und sein Erleben prototypisch äußert.

Gerade wenn Patienten von schwierigen Lebenssituationen berichten, ergibt sich immer wieder die Möglichkeit, ihre Bemühungen, mit einer Belastung fertig zu werden, positiv zu konnotieren. Eine typische Sequenz für das Zeigen von Respekt gegenüber Patienten (Respecting) ist im nächsten Abschnitt wiedergegeben.

Eine Patientin hat ihren Mann vor einem halben Jahr verloren und ist traurig, sie weint, als sie von diesem Verlust erzählt. Sie berichtet dann, dass sie vor zwei Wochen in der Volkshochschule einen Sprachkurs begonnen hat, weil sie mit ihrer Freundin in einem halben Jahr nach Andalusien fahren möchte zum Sightseeing. Sie schließt diesen Absatz mit der Bemerkung:

Patientin.: «… mal schauen, ob ich das Spanisch aus dem Kurs dann auch gebrauchen kann

Arzt.: «Das ist sicher eine schwierige Zeit für Sie [Benennen der Emotion]. Aber ich finde es toll, dass Sie wieder etwas unternehmen und noch eine neue Sprache lernen

Das Supporting, also das Anbieten von Unterstützung, ist nicht unbedingt eine eigentliche Kommunikationstechnik, es beschreibt aber das an sich naheliegende Bedürfnis, einem Menschen in Not zu helfen, und wird dann professionell, wenn diese Hilfe zunächst in Form eines Angebotes erwähnt und nicht bereits in die Tat umgesetzt wird.

Der letzte Punkt betrifft das Klären nicht eindeutiger oder fehlender Gefühle: Exploring. Dieses Verhalten wird besonders dann empfohlen, wenn der Arzt keine Idee hat, in welcher emotionalen Verfassung sein Gegenüber im Moment ist. Er spürt, dass etwas im Raum steht, hat aber zu wenig Informationen beziehungsweise spürt selbst zu wenig intensiv ein eigenes Erleben, um mit einem Naming/Spiegeln fortzufahren.

2.3. Umgang mit Emotionen – das NURSE-Modell

Patient mit bekanntem Diabetes mellitus und aktuellen Problemen mit der Blutzuckereinstellung (Unterzuckerung), die ursächlich durch psychosoziale Belastungen bedingt sind. Im Gespräch exploriert der Hausarzt die Belastungsfaktoren und berücksichtigt dabei die Emotionen des Patienten. Es werden Elemente des NURSE-Modells demonstriert.


Patientin wird mit akuten depressiven Beschwerden bei ihrer Hausärztin vorstellig. Auslösend für die Beschwerden ist die Trennung des Ehemanns. Die Hausärztin demonstriert Elemente der patientenzentrierten (WWSZ) und emotionsbezogenen Gesprächsführung (NURSE), exploriert die Beschwerden und berät mit der Patientin das weitere Vorgehen.

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